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Zwangsstörungen und zwangsnahe Störungen

Krankheitsangst (Hypochondrie)

Wenn die Angst vor einer schweren Krankheit den Alltag bestimmt und einen nicht mehr loslässt.

Krankheitsangst, früher oft Hypochondrie genannt, zeigt sich zum Beispiel als Angst vor Krebs, einem Herzinfarkt oder einer anderen schweren Krankheit. Bei SONNFELS begleiten wir Erwachsene mit kognitiver Verhaltenstherapie – mit dem Ziel, wieder Vertrauen in den eigenen Körper und mehr Gelassenheit im Umgang mit Unsicherheit zu gewinnen.

EinordnungF45.2In der ICD-10, der bisherigen internationalen Klassifikation der Krankheiten der WHO, gehörte die Krankheitsangst als hypochondrische Störung (F45.2) zu den somatoformen Störungen. Die neue ICD-11 hat das weiterentwickelt und ordnet sie den Zwangsstörungen und verwandten Störungen zu (6B23) – wegen des typischen Kreislaufs aus Zweifel, Kontrolle und kurzer Erleichterung. Für Betroffene steht dabei meist die Angst im Vordergrund.

Krankheitsängste verstehen

Bei einer Krankheitsangst steht die Angst im Mittelpunkt, an einer schweren Krankheit zu leiden oder zu erkranken – etwa an Krebs, einer Herzerkrankung oder einer Erkrankung des Nervensystems. Körperempfindungen wie Herzklopfen, ein Ziehen in der Brust oder ein verändertes Muttermal werden dabei als bedrohliches Zeichen erlebt. Die Angst ist echt und quälend. Nicht selten gehen belastende oder traumatische Erfahrungen mit Krankheit voraus – etwa eine schwere Erkrankung in der Familie oder eine eigene.

Untersuchungen, Nachfragen oder Recherchen bringen nur kurz Erleichterung – dann kehrt der Zweifel zurück. Krankheitsängste sind häufig, und sie sind gut behandelbar.

Woran Fachleute sie erkennenWeniger anzeigen

Die ICD-11 beschreibt die Krankheitsangst (Hypochondrie) so:

  • Anhaltende Angst oder gedankliche Beschäftigung damit, an einer oder mehreren schweren, fortschreitenden oder lebensbedrohlichen Krankheiten zu leiden
  • Fehldeutung von Körperempfindungen als Zeichen einer Krankheit
  • Wiederholtes, übermässiges Verhalten wie Abtasten, Recherchieren oder Rückversichern – oder das Vermeiden von Arztbesuchen und Gesundheitsthemen
  • Deutliche Belastung oder Einschränkungen im Alltag

Ärztliche Beruhigung entlastet nur kurz oder gar nicht. In der ICD-10 hiess die Störung hypochondrische Störung (F45.2).

Genau diese Beruhigungsversuche halten die Angst am Laufen. Hier setzt die Behandlung an.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

  • Ein ungewohntes Körpersignal macht Ihnen grosse Angst. Sie suchen nach Antworten, oft auch nachts im Internet – und stossen auf immer neue beunruhigende Möglichkeiten.
  • Sie tasten Ihren Körper ab – Lymphknoten, Muttermale, Bauch – und kontrollieren mehrmals am Tag.
  • Ein unauffälliger Befund beruhigt nur wenige Tage. Dann kommt die Frage: «Was, wenn etwas übersehen wurde?»
  • Nach einer Nachricht über eine Erkrankung im Umfeld spüren Sie sofort ähnliche Beschwerden.
  • Sie fragen Angehörige immer wieder, ob alles in Ordnung ist.
  • Oder Sie meiden Arztbesuche und Gesundheitsthemen ganz – aus Angst vor dem Ergebnis.

Wenn Sie sich in mehreren Punkten erkennen, ist ein Gespräch sinnvoll. Es braucht dafür keine sichere Diagnose.

Anzeichen und Symptome

Neben dem Verhalten zeigt sich Krankheitsangst in Gedanken, Gefühlen und im Körper. Nicht alle Anzeichen müssen vorhanden sein:

Gedanken und Gefühle

  • Anhaltende Sorge, ernsthaft krank zu sein oder zu werden
  • Grübeln über Symptome und mögliche Diagnosen
  • Angst, innere Unruhe und Niedergeschlagenheit
  • Das Gefühl, sich auf den eigenen Körper nicht verlassen zu können

Körperliche Anzeichen

  • Erhöhte Aufmerksamkeit für Körperempfindungen
  • Anspannung und innere Unruhe
  • Herzklopfen, Druckgefühle, Missempfindungen
  • Schlafprobleme

Warum eine frühe Abklärung wichtig ist

Je früher Krankheitsängste erkannt und behandelt werden, desto weniger Raum nehmen Angst und Kontrollverhalten im Alltag ein. Eine sorgfältige Abklärung beinhaltet:

  • Art und Ausmass der Sorgen
  • Bisherige medizinische Abklärungen
  • Rückversicherungs- und Kontrollverhalten
  • Mögliche Begleiterkrankungen wie Depression oder Panikstörung
  • Ihre persönlichen Ziele

Gemeinsam entwickeln wir daraus einen Plan, der zu Ihnen passt.

Auswirkungen auf Beruf, Familie und Beziehungen

Krankheitsängste wirken weit über die Sorge hinaus:

Beruf

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Absenzen für Arzttermine

Familie und Partnerschaft

  • Häufige Rückversicherung
  • Belastung für Angehörige

Lebensqualität

  • Wenig Raum für Freude und Pläne
  • Anhaltende Anspannung

So behandeln wir Krankheitsängste

Kognitive Verhaltenstherapie ist bei Krankheitsängsten gut untersucht und wirksam. Im Mittelpunkt stehen das Verstehen des Angstkreislaufs und ein neuer Umgang mit Körperempfindungen und Zweifeln.

Ein Weg, der zu Ihnen passt

Am Anfang steht eine sorgfältige Diagnostik. Darauf aufbauend entwickeln wir gemeinsam einen Behandlungsplan, der zu Ihrem Anliegen passt – mit Fokus auf das Verstehen des Angstkreislaufs, einen neuen Umgang mit Körperempfindungen und Zweifeln sowie auf Ihre Lerngeschichte. Alles ist individuell. Wir finden einen Weg, der für Sie passt.

Mögliche Bausteine – je nach Ihrem Plan

  • Psychoedukation zum Kreislauf der Krankheitsangst
  • Verstehen, wie die Angst entstanden ist: lerngeschichtliche Erfahrungen und ihre Bedeutung heute
  • Aktuelle Belastungen erkennen und verändern – zum Beispiel Stress, Konflikte oder Überforderung
  • Bearbeitung lerngeschichtlich relevanter Erfahrungen – zum Beispiel einer Erkrankung in der Familie
  • Kognitive Arbeit an Bewertungen von Körperempfindungen
  • Schrittweiser Abbau von Rückversicherung und Kontrollverhalten – zum Beispiel weniger googeln, den Körper seltener abtasten, Fragen an Angehörige reduzieren
  • Neuer Umgang mit Körperempfindungen und Zweifeln – zum Beispiel ein Herzklopfen bemerken, ohne sofort nachzuprüfen
  • Aufmerksamkeitslenkung und achtsamer Umgang mit dem Körper – zum Beispiel den Blick wieder auf den Alltag statt auf jedes Signal richten
  • Arbeit mit inneren Anteilen, wo hilfreich – zum Beispiel mit dem Teil, der ständig wachsam bleiben möchte
  • Arbeit am Selbstkonzept
  • Stärkung: Was Ihnen Kraft gibt
  • Rückfallprophylaxe – zum Beispiel einen Plan für Zeiten, in denen die Sorge wieder lauter wird

Nichts geschieht gegen Ihren Willen. Jeder Schritt wird gemeinsam abgestimmt.

Manchmal liegt der Ursprung in früheren Erfahrungen – etwa einer Erkrankung in der Familie oder einer eigenen. Wo es hilfreich ist, arbeiten wir auch mit inneren Anteilen und frühen Prägungen. Die Verhaltenstherapie bleibt dabei der Kern.

Ziel ist nicht absolute Gewissheit, sondern mehr Gelassenheit im Umgang mit Unsicherheit – und wieder mehr Raum für das, was Ihnen wichtig ist.

Unser Angebot in Adligenswil

Bei SONNFELS behandeln wir Erwachsene ab 18 Jahren in Adligenswil bei Luzern – aus den Kantonen Luzern, Zug, Schwyz, Nidwalden und Obwalden sowie dem südlichen Aargau. Sitzungen sind auch online möglich. Je nach Situation wählen wir gemeinsam die passende Form: regelmässige Psychotherapie, eine konzentrierte Einzel-Intensiv-Therapie oder Prävention.

Behandelt werden Sie von Cristiana Martellotta, eidg. anerkannte Psychotherapeutin (ASP), und Johannes Barthel, eidg. anerkannter Psychotherapeut (ASP). Mehr über die Gründer

Unser Leistungsspektrum

Kontakt aufnehmen

Sie möchten wissen, ob eine Behandlung bei SONNFELS für Sie passt? Wir nehmen uns Zeit für ein erstes Gespräch und klären gemeinsam die nächsten Schritte.

Häufige Fragen

Bin ich nicht einfach übervorsichtig?

Krankheitsängste sind keine Übervorsicht, sondern eine ernst zu nehmende Belastung. Sie lassen sich gut behandeln.

Soll ich trotzdem zum Arzt gehen?

Ja, neue oder veränderte Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. In der Therapie geht es darum, wie Sie mit Sorgen und Zweifeln umgehen. Auch bei Krankheitsangst können echte Beschwerden auftreten.

Was ist der Unterschied zwischen Krankheitsangst und Hypochondrie?

Hypochondrie ist der ältere Begriff. Heute spricht man meist von Krankheitsangst. Die ICD-10 führt sie als hypochondrische Störung (F45.2), die neuere ICD-11 als Hypochondrie (6B23).

Was, wenn doch etwas Körperliches dahintersteckt?

Eine Therapie ersetzt keine Abklärung. Neue Beschwerden werden weiter ärztlich geprüft. In der Therapie arbeiten wir daran, wie Sie mit Unsicherheit umgehen.

Wie läuft die Behandlung ab, und wie lange dauert sie?

Am Anfang steht eine sorgfältige Diagnostik. Danach entwickeln wir gemeinsam einen Plan. Dauer und Umfang richten sich nach Ihrem Bedarf.

Muss ich mich bewusst verunsichern lassen?

Nein. Nichts geschieht gegen Ihren Willen. Jeder Schritt wird gemeinsam abgestimmt.

Ist eine Behandlung auch online möglich?

Ja. Viele verbinden Sitzungen in der Praxis mit Online-Sitzungen.

Wer übernimmt die Kosten?

Wir rechnen nicht über die Grundversicherung ab, sondern über Ihre Zusatzversicherung (VVG) oder als Selbstzahlung. Bitte klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Versicherung. Den Tarif finden Sie oben im Abschnitt «Kosten und Abrechnung».

Ein geschützter erster Schritt.

Teilen Sie nur, was sich im Moment richtig anfühlt – ein Name oder Pseudonym und eine Kontaktmöglichkeit genügen.

Frau Martellotta oder Herr Barthel meldet sich innerhalb eines Werktags persönlich bei Ihnen, um Ihr Anliegen zu besprechen. Ein Erstgespräch ist meist schon nach wenigen Tagen möglich.

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